Das Wichtigste über die Vorteile einer privaten Insolvenz
Eine Privatinsolvenz ist ratsam, wenn ein Verbraucher derart überschuldet ist, dass er seinen finanziellen Verpflichtungen gar nicht mehr nachkommen kann, und ihm keine außergerichtliche Einigung mit seinen Gläubigern gelingt.
Sie müssen während der dreijährigen Abtretungsfrist der Privatinsolvenz (sog. Wohlverhaltensphase) den pfändbaren Anteil Ihres Einkommens an den Treuhänder abtreten. Außerdem werden die Insolvenzeröffnung und Informationen zur Restschuldbefreiung in den Insolvenzbekanntmachungen veröffentlicht. Lesen Sie hierzu auch unseren Ratgeber über die Nachteile einer Privatinsolvenz.
Sie werden Ihre Schulden auf sicherem Weg los, und zwar unabhängig davon, wie hoch diese sind und wie viel Geld zur Schuldentilgung während des Verfahrens an Ihre Gläubiger fließt. Halten Sie sich an die Regeln der Privatinsolvenz, erteilt Ihnen das Insolvenzgericht nach der Wohlverhaltensphase die Restschuldbefreiung. Darüber hinaus birgt die Privatinsolvenz weitere Vorteile. Die Gläubiger dürfen beispielsweise nichts mehr bei Ihnen pfänden.
Inhalt
Gut zu wissen: Was ist die Privatinsolvenz eigentlich?
1. Vorteil: Umfangreiche Restschuldbefreiung nach 3 Jahren
Nach Ablauf der dreijährigen Wohlverhaltensphase erteilt Ihnen das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung. Damit sind Sie alle Schulden los, die Gegenstand des Verfahrens waren. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch Ihre Schulden waren, woher sie stammen und wie vielen Gläubigern Sie Geld schuldeten.
Laut § 301 InsO wirkt die erteilte Restschuldbefreiung nicht nur gegenüber allen Insolvenzgläubigern, sondern auch gegenüber Gläubigern, die ihre Forderungen nicht beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle angemeldet haben. Die einzige Voraussetzung für diesen umfangreichen Schuldenschnitt ist, dass Ihre Verbindlichkeiten vor der Insolvenzeröffnung entstanden sind.
Um den Sinn der Privatinsolvenz und ihre Vorteile nicht zu gefährden, sollten Sie neue Schulden nach der Insolvenzeröffnung tunlichst vermeiden. Denn diese bleiben trotz Restschuldbefreiung bestehen. Mehr Informationen zur Restschuldbefreiung nach drei Jahren, haben wir in diesem Video für Sie zusammengefasst:
2. Vorteil: Fester Zeitplan für den Schuldenabbau
Sie wissen genau, wann Sie Ihre Schulden los sind und können entsprechend planen. Wenn Sie die Privatinsolvenz ab dem 1. Oktober 2020 beantragt haben, sind Sie nach drei Jahren schuldenfrei. Haben Sie Ihren Antrag vor diesem Stichtag gestellt, erfolgt die Restschuldbefreiung spätestens nach sechs Jahren. Das ist einer der wichtigsten mit der Privatinsolvenz verbundenen Vorteile.
Bei einem außergerichtlichen Vergleich hingegen müssen Sie sich an die mit allen Gläubigern getroffenen Vereinbarungen – den sogenannten Schuldenregulierungsplan – halten. Ihre vollständige Entschuldung hängt davon ab, ob Sie diesen Abmachungen vollumfänglich nachkommen.
3. Vorteil: § 89 InsO verbietet Pfändungen
Die Privatinsolvenz bietet wichtige Vorteile in Bezug auf Ihre finanzielle Situation: Während des Insolvenzverfahrens sind Sie vor Pfändungen geschützt. § 89 InsO beinhaltet ein weitgehendes Vollstreckungsverbot für alle Insolvenzgläubiger. Sie dürfen weder Bestandteile der Insolvenzmasse noch sonstiges Vermögen des Schuldners pfänden.
Eine Konto- oder Lohnpfändung ist damit genauso unzulässig wie die Bestellung eines Gerichtsvollziehers oder das Verlangen einer Vermögensauskunft.
Das bringt noch weitere Vorteile einer Privatinsolvenz mit sich: Spätestens, wenn die Gläubiger von der Insolvenzeröffnung erfahren, stellen sie den Schriftverkehr mit dem Schuldner ein. Sie müssen sich also nicht mehr mit Ihren Gläubigern auseinandersetzen. Mehr noch – Sie dürfen nicht einmal mehr an sie zahlen – das wäre sogar eine unzulässige Gläubigerbegünstigung, die Ihre Restschuldbefreiung gefährdet.
Weitere Vorteile einer Privatinsolvenz
Neben diesen wichtigen Aspekten bietet die Privatinsolvenz zwei kleinere Vorteile, die Sie nicht unterschätzen sollten:
- Psychologischer Effekt: Ja, Sie sind überschuldet, aber Sie haben bereits viel dafür getan, um aus dieser Situation herauszukommen. Betrachten Sie das ruhig als Meilenstein, den Sie gemeistert haben, auch wenn die außergerichtliche Einigung mit Ihren Gläubigern nicht funktioniert hat. Sie sind vor Pfändungen sicher, haben keinen Rückzahlungszwang und wissen, wie viel Ihres Einkommens Ihnen zum Leben verbleibt. Bleiben Sie zuversichtlich und halten Sie sich immer vor Augen: Am Ende folgt die Restschuldbefreiung.
- Relativ freie Lebensführung: Sie müssen zwar den unpfändbaren Einkommensanteil an den Insolvenzverwalter abtreten und ihn sowie das Insolvenzgericht informieren, wenn Sie den Wohnsitz oder Ihren Job wechseln. Aber ansonsten dürfen Sie frei entscheiden, wo Sie arbeiten und wohnen, wofür Sie Ihr Geld ausgeben und ob Sie heiraten wollen oder nicht. Um Fehler während der Wohlverhaltensphase zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen unseren Ratgeber zum Thema Obliegenheiten während der Insolvenz.
Video: Ablauf einer Privatinsolvenz