Bargeld: Bedeutung, Vor- und Nachteile, Bargeldobergrenze

Das Wichtigste zu Bargeld

Wie lange wird es noch Bargeld geben?

Derzeit gibt es keine Pläne, das Bargeld in Deutschland oder der EU abzuschaffen. Allerdings hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits im Jahr 2021 die Einführung eines digitalen Euro – kurz D€ – als weiteres gesetzliches Zahlungsmittel geprüft. Seit November 2023 ist das Konzept in der Vorbereitungsphase.

Sollte man Bargeld zu Hause haben?

Es ist durchaus sinnvoll, einen kleinen Vorrat an Bargeld aufzubewahren, um für mögliche Notfälle gerüstet zu sein. Als Faustregel werden oft 500 € in kleineren Scheinen benannt. Aber letztlich ist das eine Frage Ihrer persönlichen Lebensumstände und Bedürfnisse. Zu viel sollte es allerdings auch nicht sein – im Falle eines Einbruchs ist das leichte Beute für die Diebe.

Wie viel Geld darf ich zu Hause haben?

Welche Menge an Bargeld Sie zu Hause aufbewahren, ist Ihnen überlassen. Es gibt in dieser Hinsicht keine gesetzlichen Beschränkungen. Strafbar ist es schon gar nicht, größere Bargeldbeträge in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus zu lagern.

Gibt es für Bargeld eine Obergrenze in Deutschland?

Noch gibt es keine generelle Bargeldgrenze in Deutschland, wenn Sie bar bezahlen möchten – von einigen Ausnahmen abgesehen, die wir an dieser Stelle zusammenfassen. Allerdings haben sich die EU-Staaten dahingehend geeinigt, Barzahlungen ab 10.000 € zu verbieten. Diese Bargeldobergrenze soll in Deutschland voraussichtlich ab 2026/2027 eingeführt werden.

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Was ist Bargeld? Definition und Funktion

Gibt es bald kein Bargeld mehr?
Gibt es bald kein Bargeld mehr?

Bargeld ist physisches Geld in Form von Banknoten und Münzen. Sie lauten auf einen bestimmten Nennwert, also auf einen festen Betrag in einer Währung. In unserem Geldsystem und auch im gesamten Euro-Währungsraum ist Euro-Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel:

  • Das gilt uneingeschränkt für Euro-Banknoten. Will ein Schuldner eine Geldforderung damit begleichen, ist der Gläubiger verpflichtet, diese Geldscheine in unbegrenztem Umfang anzunehmen. Es sei denn, die Vertragspartner haben zuvor etwas anderes vereinbart oder es stehen gesetzliche Beschränkungen entgegen.
  • Euro-Münzen hingegen stellen nur in beschränktem Maße ein gesetzliches Zahlungsmittel dar. Mehr als 50 Münzen muss ein Gläubiger pro Zahlung nicht annehmen. Außerdem ist ein vertraglicher Ausschluss des Bezahlens mit Münzen zulässig.

Gut zu wissen: Notenbanken waren früher verpflichtet, die von ihnen ausgegebenen Banknoten entweder gegen Silber oder Gold einzutauschen. Aus diesem Grund musste ein bestimmter Prozentsatz an diesem Bargeld durch Gold oder Silber „gedeckt“ sein, weshalb die Ausgabe der Banknoten durch die vorhandenen Vorräte an Edelmetall begrenzt war.

Heute ist das nicht mehr so. Stattdessen wird das Volumen der im Umlauf befindlichen Banknoten allein durch die Nachfrage bestimmt. Es gibt heutzutage keine Deckungsvorschrift mehr und die Zentralbanken müssen die Geldscheine auch nicht gegen Gold oder Silber eintauschen. Dieses Geld wird allein deshalb akzeptiert, weil die EU-Staaten sich auf dieses gesetzliche Zahlungsmittel geeinigt haben und weil wir darauf vertrauen, dass das Bezahlen damit auch funktioniert.

Bargeld: Vorteile und Nachteile

Die Mitgliedsstaaten der EU haben für Bargeld eine Obergrenze von 10.000 € vereinbart. Ab diesem Betrag sind Barzahlungen bald verboten.
Die Mitgliedsstaaten der EU haben für Bargeld eine Obergrenze von 10.000 € vereinbart. Ab diesem Betrag sind Barzahlungen bald verboten.

Die Digitalisierung macht auch vor dem Zahlungsverkehr nicht Halt. Im Gegenteil: Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft aktuell zusammen mit den nationalen Zentralbanken des Euroraums, ob die Einführung eines digitalen Euro (D€) in Betracht kommt. Dieses digitale Zentralbankgeld könnte das bisherige Bargeld als elektronisches Pendant ergänzen.

Doch wird es Banknoten und Münzen eines Tages auch vollständig ersetzen? Derzeit steht eine Abschaffung dieser im Euroraum wohl nicht zur Debatte, auch wenn sie in einzelnen Ländern kaum noch eine Rolle spielen, wie bspw. in Schweden, wo Verbraucher überwiegend online oder mit Karte bezahlen.

Und auch wenn ein Großteil unseres Geldes nur noch digital als Buchgeld existiert, sind die Vorteile von Bargeld nicht von der Hand zu weisen. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Vor- und Nachteile gegenüber.

Vorteile von Bargeld:

  • Sparsameres Konsumverhalten: Wer Bargeld benutzt, merkt, wie ihm das Geld beim Einkauf durch die Finger rinnt. Und es ist deutlich einfacher, den Überblick zu behalten. Bei der bequemeren Kartenzahlung werden wir eher dazu verleitet, zu viel Geld auszugeben.
  • Anonymität: Wenn wir mit Bargeld bezahlen, bleiben wir anonym und schützen damit unsere Privatsphäre. Niemand erfährt, wofür wir unser Geld ausgeben. Online-Banking und Kartenzahlungen werden hingegen registriert.
  • Bezahlen in der Krise: Buchgeld bzw. unser Bankguthaben stellt lediglich eine Forderung gegenüber unserer Bank dar. Bei einem Stromausfall können wir darauf z. B. nicht mehr zugreifen. Mit Bargeld lässt sich hingegen immer bezahlen. Es funktioniert auch ohne Strom, Karte oder Smartphone.
  • Sicherheit: Die Digitalisierung im Zahlungsverkehr macht uns anfällig für einen Daten- und Kreditkarten-Missbrauch. Bargeld bietet Schutz vor Cyberkriminalität.
  • Barrierefreiheit: Jeder kann mit Bargeld bezahlen. Es gibt keine Hürden und ist völlig barrierefrei.

Nachteile von Bargeld:

  • Platz: Münzen und Geldscheine brauchen viel Platz. Kontaktloses Bezahlen per Karte oder Smartphone ist hingegen sehr einfach, bequem und spart Zeit.
  • Kriminalität: Kriminelle nutzen die Anonymität des Bargeldes zur Geldwäsche, schleusen Schwarzgeld am Finanzamt vorbei und fälschen Banknoten. Allerdings haben sie auch schon Bitcoins für sich entdeckt.
  • Währungsrisiko: Bargeld in eine fremde Währung umzutauschen, ist aufwendig und häufig mit hohen Gebühren verbunden. Andererseits können Fremdwährungsgebühren auch im digitalen Zahlungsverkehr bzw. bei der Kartenzahlung anfallen.
  • Diebstahl: Diebe wissen sehr genau, wie sie Bargeld schnell und unauffällig stehlen können. Dann ist die EC- oder Kreditkarte allerdings meistens genauso in Gefahr. Stiehlt der Dieb unsere Karte, kennt er unsere Identität und Bankverbindung, was deutlich gefährlicher ist, als wenn ihm nur unser Bargeld in die Hände fällt.
  • Hygiene: Bargeld ist nicht gerade hygienisch. Aber mal Hand aufs Herz – wie oft befreien Sie Ihr Smartphone oder Ihre EC-Karte von Keimen?

Gibt es eine Bargeldobergrenze in Deutschland?

Wie oft kann ich Bargeld einzahlen? Eine Grenze ist hierfür nicht vorgesehen.
Wie oft kann ich Bargeld einzahlen? Eine Grenze ist hierfür nicht vorgesehen.

Die obige Gegenüberstellung verdeutlicht, welche Bedeutung dem Bargeld zukommt. Genau deswegen ist es problematisch, wenn Staaten Bargeldzahlungen einschränken oder Bargeld komplett verbieten wollen.

Derartige Einschränkungen sind jedoch längst im Gespräch und teilweise existieren sie auch schon in Deutschland. Die aktuelle Situation gestaltet sich hierzulande wie folgt:

  1. Keine Obergrenze für Bargeldzahlungen: Derzeit gibt es für Zahlungen mit Bargeld noch keine Obergrenze. Allerdings haben sich die EU-Mitgliedsstaaten darauf geeinigt, dass Barzahlungen über 10.000 € ab voraussichtlich 2027 nicht mehr möglich sein sollen (Stand: Januar 2025). Und auch wenn Deutschland diesem Vorhaben kritisch gegenübersteht, wird diese Einschränkung wohl kommen.
  2. Ausweispflicht für Barzahlungen ab 10.000 €: Ab dieser Bargeldgrenze müssen Käufer ihren Ausweis vorlegen. Händler sind verpflichtet, die Identität des Käufers zu dokumentieren und aufzubewahren.
  3. Bargeldgrenze für den Kauf von Edelmetall: Beim Kauf von Gold und Silber müssen Händler die Identität des Käufers bereits dann feststellen, wenn er 2.000 € und mehr dafür ausgibt. Damit bleiben nur noch Käufe im Wert von bis zu 1.999 € anonym.
  4. Barzahlungsverbot für Immobiliengeschäfte: Immobilienkäufer dürfen gar nicht mehr mit Bargeld bezahlen. Dieses Verbot gilt für alle Verträge, die ab dem 1. April 2023 geschlossen werden. Darüber hinaus müssen die Vertragsparteien bei einem Notar belegen, dass keine Barzahlung stattgefunden hat. Der Notar muss diesen Nachweis anschließend prüfen.
  5. Mit Bargeld über die Grenze reisen: Innerhalb der EU existieren zwar keine Obergrenzen, aber auf Nachfrage besteht eine Auskunftspflicht bei der Zollkontrolle. Wer außerhalb der EU reist, muss Bargeldbeträge mit einem Gesamtwert von mehr als 10.000 € bei der Zollkontrolle anmelden.

Einschränkungen für Bargeldeinzahlungen bei der Bank

Bei einer Schenkung von Bargeld genügt als Nachweis ein Schenkungsvertrag bzw. eine Schenkungsanzeige.
Bei einer Schenkung von Bargeld genügt als Nachweis ein Schenkungsvertrag bzw. eine Schenkungsanzeige.

Zwar dürfen Bankkunden nach wie vor unbegrenzt Geld bei der Bank oder Sparkasse einzahlen. Sie müssen aber einen Herkunftsnachweis für Bargeld bei Einzahlungen in Höhe von 10.000 € und mehr fordern. Bei anderen Banken als der eigenen Hausbank liegt diese Grenze bereits bei 2.500 €.

Als Nachweise fungieren bspw. folgende Belege:

  • ein aktueller Kontoauszug, in dem die Barauszahlung ausgewiesen ist
  • von einer anderen Bank oder Sparkasse ausgestellte Quittungen über die Barauszahlung
  • das Sparbuch des Kunden, aus dem die Auszahlung von Bargeld hervorgeht
  • Rechnungen und Verkaufsbelege (bspw. für den Verkauf von Edelmetall oder einem Auto)
  • ein Schenkungsvertrag bzw. eine Schenkungsanzeige
  • ein Testament, Erbschein und vergleichbare Erbnachweise

Ist dem Kunden ein plausibler Herkunftsnachweis über Bargeld nicht möglich, darf die Bank bzw. Sparkasse das Geld auch nicht entgegennehmen. Im schlimmsten Fall ist sie verpflichtet, eine Verdachtsmeldung bei der Financial Intelligence Unit – der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen – abzugeben. Diese prüft dann unter Umständen, ob hier Geldwäsche vorliegt.

Übrigens: Eine vollständige Abschaffung von Bargeld steht derzeit nicht zur Debatte. Und sie wäre auch nicht ohne Risiko. Im Gegenteil – Verbraucher könnten dann nicht mehr völlig anonym und barrierefrei bezahlen. Das mag für Menschen in Deutschland auf den ersten Blick unwichtig erscheinen. Aber für Obdachlose und andere Menschen, die sich in finanzieller Not und einer schwierigen Rechtslage befinden, wäre das ein Fiasko. Und China bietet ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie ein Staat seine Bürger über den Zahlungsverkehr kontrollieren kann.

Quellen und weiterführende Links

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Über den Autor

Jan Frederik Strasmann (Rechtsanwalt)
Jan Frederik Strasmann, LL. M.

Jan Frederik Strasmann absolvierte sein Studium an der Universität Bremen. Nach seinem Referendariat am OLG Celle erwarb er in Dublin seinen Master of Laws (LL. M.). Seit 2014 ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Als Autor für schuldnerberatung.de befasst er sich u. a. mit dem Insolvenzrecht.

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